Schwerpunkt "Wege in die Bildung 2030 - guter Unterricht in der inklusiven Schule"
Unterricht im Zentrum von Schule
Die Deutsche Bildungsdirektion stellt wieder verstärkt den Unterricht ins Zentrum von Schule und hat dazu ein Grundsatzdokument ausgearbeitet.
»Schule ist Spiegel der Gesellschaft und hat daher die Aufgabe, Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, Unterricht immer wieder an die Erfordernisse der Zeit anzupassen und alle Kinder und Jugendlichen mit ihren Möglichkeiten im Blick zu haben. Die Ereignisse der letzten Jahre und die vielen Erwartungen, die von außen an die Schule herangetragen werden, haben in den Schulen dazu geführt, dass der Unterricht als Kernaufgabe etwas aus dem Fokus geraten ist und von anderen Themen überlagert wurde«, beschreiben Bildungsdirektor Gustav Tschenett und Landessschuldirektorin Sigrun Falkensteiner die Situation an den Schulen.
Das neue Grundsatzdokument
Unter dem Titel »Wege in die Bildung 2030 – guter Unterricht in der inklusiven Schule« setzt die Deutsche Bildungsdirektion daher einen Schwerpunkt für die Schulen aller Stufen und Typen. Damit werden an den einzelnen Schulen Entwicklungsprozesse angestoßen, mit dem Ziel, den Unterricht wieder ins Zentrum der Bildungsarbeit zu rücken, weiterzuentwickeln und den aktuellen Erfordernissen anzupassen.
Als verbindlicher Bezugspunkt für die Schulentwicklungsprozesse dient das vorliegende Grundsatzdokument »Guter Unterricht in der inklusiven Schule«, das an der Bildungsdirektion unter Einbindung von wissenschaftsbasierter Literatur und im Rahmen eines partizipativen Prozesses ausgearbeitet wurde. In kompakter Form wird darin aufgezeigt, welche Merkmale guter Unterricht aufweist. Guter Unterricht stellt Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt, geht von ihren Bedürfnissen, Vorkenntnissen und Interessen aus und legt Lernwege in Inhalt und Methode so an, dass Schülerinnen und Schüler gut auf die vielfältigen Herausforderungen unserer Welt vorbereitet werden. Auch der Schulführungskraft, die Rahmenbedingungen schafft, damit guter Unterricht entwickelt und umgesetzt werden kann, kommt eine zentrale Rolle zu.
Schulinterne Fortbildung
Die Pädagogische Abteilung bietet spezifische Module für die schulinterne Fortbildung und entwickelt das Unterstützungsangebot unter diesem Fokus weiter. Sechs Schulen werden in den drei Schuljahren von 2023/2024 bis 2025/2026 im Rahmen eines Pilotprojektes in besonderer Weise von qualifizierten Beraterinnen und Beratern begleitet und unterstützt.
Die vier Dimensionen von gutem Unterricht in der inklusiven Schule (grafische Darstellung)
Dimension A: das Kind, die/der Jugendliche
- Im Zentrum von Bildungsarbeit an der Schule steht das Kind bzw. die Jugendliche und der Jugendliche als freie und selbstständige Persönlichkeit, welche den Lernprozess mitverantwortet und reflektiert.
- Das Kind bzw. die Jugendliche und der Jugendliche wird von allen an Schule Beteiligten in ihrer und seiner Einzigartigkeit wahrgenommen und gefördert (Potenziale, Interessen, soziales Umfeld, …).
- Alle Kinder bzw. Jugendlichen sind in das Schulleben eingebunden und erfahren soziale Zugehörigkeit.
Dimension B: kompetenzorientierter Unterricht
- Die Lehrpersonen bauen eine professionelle Beziehung zu den Kindern bzw. Jugendlichen auf. Sie begegnen ihnen mit Wertschätzung und fördern sie in ihrer Entwicklung.
- Die Lehrpersonen gestalten Unterricht und Lernumgebungen so, dass jedes Kind bzw. jede Jugendliche und jeder Jugendliche gefordert ist und an seinen und ihren nächsten Entwicklungsschritten arbeiten kann.
- Die Lehrpersonen gestalten Unterricht und Lernumgebungen so, dass sowohl personalisiertes als auch gemeinsames Lernen möglich ist.
- Die Lehrpersonen erfassen kontinuierlich den Lernstand jeder Schülerin und jedes Schülers (pädagogische Diagnostik) und geben ihr und ihm lernförderliche Rückmeldung (formatives Feedback).
- Die Schülerinnen und Schüler sind in die Planung des Lernens eingebunden, kennen das Lernziel und die Schritte auf dem Lernweg.
- Der Unterricht ist geprägt von einer Kultur, in der Fehler als Gelegenheiten zur Weiterentwicklung genutzt werden.
- Die Lehrpersonen wählen Inhalte nach ihrer Bedeutsamkeit aus und knüpfen an Erfahrungen, Vorwissen und Interessen der Lernenden an.
- Der Unterricht orientiert sich an aktuellen Erfordernissen der Gesellschaft und ist auf die Zukunft ausgerichtet: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Arbeiten im Team sind dabei zentrale Eckpfeiler.
- Der Unterricht trägt dem Umstand Rechnung, dass Lernen in erster Linie über Sprache erfolgt, ist aufmerksam in Bezug auf sprachliche Hürden, stellt Unterstützung bereit und nutzt die Sprachen, welche die Schülerinnen und Schüler mitbringen, als zusätzliche Ressourcen.
Dimension C: Zusammenarbeit
- Die Lehrpersonen tragen gemeinsam die Verantwortung für das Lernen jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers.
- Vielfalt wird von allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft wertgeschätzt und als Ressource genutzt.
- An den Schulen wird in professionellen Lerngemeinschaften gearbeitet. Diese definieren gemeinsame, handlungsleitende Ziele, legen den Fokus auf das Lernen statt auf das Lehren, reflektieren im Dialog, bilden sich fort und finden zu einer De-Privatisierung der Unterrichtspraxis.
- Die Schulführungskraft, die Lehrpersonen, die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Integration, die außerschulischen Partnerinnen und Partner, das nicht unterrichtende Personal und die Erziehungsverantwortlichen arbeiten eng zusammen, um die Entwicklung der Kinder bzw. der Jugendlichen bestmöglich zu begleiten.
Dimension D: Rahmenbedingungen
- Die Schulführungskraft sorgt dafür, dass die Schulorganisation auf sämtlichen Ebenen (Schulführung, Verwaltung, Gremien und entsprechenden Leitdokumenten) so ausgelegt ist, dass Partizipation und Teilhabe für alle Beteiligten in ihrer jeweiligen Rolle gewährleistet sind.
- Die Schulführungskraft setzt partizipative Prozesse in Gang, in denen sich alle Beteiligten konkret mit der Entwicklung von gutem Unterricht in der inklusiven Schule auseinandersetzen, und sorgt dafür, dass getroffene Entscheidungen verbindlich umgesetzt werden.
- Die autonome Schule setzt die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen bedarfsorientiert, flexibel und gezielt ein.
- Die Schulführungskraft fördert eine von Offenheit geprägte Feedbackkultur auf allen Ebenen der Organisation.