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Bildungsarbeit im Kindergarten

Bildungsarbeit im Kindergarten – Aufgaben

Die Bedeutung der Entwicklung und des Lernens von jungen Kindern hat in den letzten Jahren markant zugenommen, die ersten Lebensjahre werden als Phase mit den größten Entwicklungsbewegungen betrachtet. Somit hat der Kindergarten als Bildungsinstitution eine zentrale Rolle und einen verantwortungsvollen Auftrag in der Gesellschaft. Als Mitarbeiterinnen der Pädagogischen Abteilung ist es unsere Aufgabe das System Kindergarten im Wandel der Gesellschaft in den Blick zu nehmen, das Entwicklungspotenzial zu erkennen und die Bildungsangebote mit verschiedenen Kooperationspartnern zu sichern und qualitativ weiter zu entwickeln.

Die Umsetzung dieser Aufgabe beinhaltet:

  • Beratung und Unterstützung der Bildungseinrichtung Kindergarten
  • Kooperationen und Zusammenarbeit mit Einrichtungen der frühen Kindheit, allen Schulstufen, Universitäten und Bildungseinrichtungen über die Landesgrenzen hinaus
  • Planung und Organisation der Landesfortbildung für Pädagogische Fachkräfte
  • Tätigkeit als Referierende in der Fortbildung für Pädagogische Fachkräfte
  • Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen

Wir arbeiten eng mit der Landeskindergartendirektion zusammen.

Vorurteilsbewusste Bildung

In ihren Rechten sind alle Kinder gleich, mit seiner Individualität und Persönlichkeit ist jedes Kind besonders.

Das ist der Leitsatz der Vorurteilsbewussten Bildung.
Vorurteilsbewusste Bildung ist ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Alle Kinder sind gleich – Jedes Kind ist besonders.

Was ist Vorurteilsbewusste Bildung?

Die Vorurteilsbewusste Bildung ist ein Ansatz, der von der Fachstelle Kinderwelten in Berlin (externer Link) für Kindergärten und Schulen entwickelt wurde. Der Ansatz wird verstanden als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor Diskriminierung.

Die Vorurteilsbewusste Bildung verfolgt vier Ziele in der Arbeit mit den Kindern:

  • Ich-Identität und Bezugsgruppen-Identität stärken
    Bestärke jedes Kind in seinem Selbstvertrauen, indem du es als Individuum und als Mitglied seiner sozialen Bezugsgruppe anerkennst und wertschätzt. Ermögliche ihm die Aneignung von sachlich korrektem Wissen um seine Besonderheiten und seinen Hintergrund.
  • Respekt für Vielfalt entwickeln
    Ermögliche allen Kindern, Erfahrungen mit Menschen zu machen, die anders aussehen und sich anders verhalten als sie selbst, so dass sie sich mit ihnen wohl fühlen sowie Empathie und Respekt für Vielfalt entwickeln können.
  • Kritisches Denken über Vorurteile und Diskriminierung anregen
    Thematisiere Vorurteile, Einseitigkeiten und Diskriminierung, so dass die Kinder unfaire Handlungen und Äußerungen erkennen und benennen lernen.
  • Sich Diskriminierung und Vorurteilen widersetzen
    Ermutige Kinder, sich aktiv und gemeinsam mit anderen gegen einseitige und diskriminierende Äußerungen und Verhaltensweisen zur Wehr zu setzen, die gegen sie selbst oder andere gerichtet sind.

Ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis

Es macht einen Unterschied, ob ein Kind in finanziell gesicherten oder ungesicherten Verhältnissen aufwächst, welche Hautfarbe das Kind hat, welche Sprache es zu Hause spricht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist oder ein Kind mit einer Transidentität (also nicht einer der beiden Geschlechtergruppen angehört), ob seine Eltern Vater und Mutter sind, oder nur Vater oder nur Mutter, oder ob sie dasselbe Geschlecht haben.

Kindergärten sind keine Schonräume. Die gesellschaftlichen Verhältnisse machen vor der Tür des Kindergartens nicht halt. Es ist wichtig, dass pädagogische Fachkräfte sich dieser Unterschiedlichkeiten bewusst sind und aktiv werden.

Angebote für Pädagogische Fachkräfte

Zur Vorurteilsbewussten Bildung werden Kursfolgen organisiert und somit Pädagogische Fachkräfte zu Multiplikatorinnen zur Vorurteilsbewussten Bildung ausgebildet.

Zusätzlich werden in den Kindergartensprengeln und in Kindergartenteams Fortbildungen zum Thema angeboten.

Persona Dolls®

Die Methode der Persona Dolls® eignet sich, um mit Kindern im Kindergarten ins Gespräch zu kommen und die Ziele der Vorurteilsbewussten Bildung umzusetzen.

Persona Dolls sind besondere Puppen – sie haben Persönlichkeit. Sie haben einen Namen, eine Familie, eine Geschichte, Vorlieben und Abneigungen. Sie sprechen bestimmte Sprachen, haben ein Zuhause, mögen bestimmte Speisen, einige Gerichte schmecken ihnen nicht. Sie sind wie ein Kind aus dem Kindergarten, haben Merkmale mit denen sich die Kinder identifizieren können.

Die Persona Doll ist kein Spielzeug wie andere Puppen, sie wird so behandelt wie jedes Kind, mit Respekt und Vorsicht. Die Brücke zu den Kindern schlägt die pädagogische Fachkraft: Die Persona Doll flüstert ihr etwas ins Ohr, das sie in die Kindergruppe bringt und somit das Gespräch und den Dialog anregt.
Die Multiplikatorinnen zur Vorurteilsbewussten Bildung setzten die Persona Dolls in den jeweilige Kindergärten ein.

Partizipation

Das Wort Partizipation kommt aus dem Lateinischen „particeps“ und bedeutet wörtlich übersetzt „Teilhabe“ oder „Teilnahme“. Gesetzlich verankert ist die Partizipation in der UN-Kinderrechtskonvention.

Partizipation im Kindergarten

Der Kindergarten ist für die meisten Kinder der Ort, an dem sie erstmals einen öffentlichen Raum betreten und Teil einer Gemeinschaft werden. Sie erfahren, wie Menschen zusammenleben, die nicht miteinander verwandt sind. Der Kindergarten bildet die Gesellschaft im Kleinen ab und ist somit jener Ort, um Engagement und Partizipation zu erleben und leben sowie demokratische Kompetenzen früh zu stärken.

Gelebte Partizipation trägt dazu bei, dass Kinder in den Bildungseinrichtungen erfahren, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen und eigene Gestaltungswünsche in Aushandlungsprozesse einzubringen. Das Zusammenleben wird friedlicher und die gemeinsam geplanten Lebensräume durch die Kinder besser genutzt.

Wenn erkannt wird, was Partizipation bewegen kann, dann ist Partizipation nicht ein Ziel neben anderen, sondern: Partizipation ist der Schlüssel zur Bildung.

Angebote für Pädagogische Fachkräfte

Partizipation beginnt in den Köpfen und vor allem in den Herzen der Erwachsenen. Die Haltung der Erwachsenen, die Jungen und Mädchen begegnen und begleiten, entscheidet über Beteiligungsmöglichkeiten.

Dazu werden Seminare auf Landesebene angeboten. Grundsätze und Prinzipien werden beleuchtet und die eigene Haltung reflektiert. Methoden für die Mitbestimmung werden aufgezeigt, in der Praxis erprobt und gemeinsam reflektiert.

Leitungskompetenz

Der Kindergarten bedarf, wie jedes System, einer professionellen Leitung. Die Direktorin beauftragt eine Pädagogische Fachkraft mit den Leitungsaufgaben.

Die Leitungsperson hat den pädagogischen Auftrag stets im Blick, sorgt für die Umsetzung der Rahmenrichtlinien, nimmt die gesellschaftlichen Entwicklungen wahr und reagiert darauf.

Laufend werden Lehrgänge organisiert, bei welchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Leitungskompetenz entwickeln und ausbauen.

Sprachliche Bildung

Die Sprache ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die der Mensch für das Leben braucht. Sie ermöglicht zu kommunizieren, mit den Mitmenschen in Dialog zu treten und eröffnet den Zugang zur Welt.

Grundvoraussetzung für die Entwicklung und das Erlernen von Sprache, ist die Akzeptanz und die Wertschätzung der Erst- und Familiensprache. Die sprachlichen Realitäten in unseren Kindergärten sind geprägt durch Zwei – und Mehrsprachigkeit, wobei die Bildungssprache die deutsche Standartsprache ist. Diese Sprachenvielfalt wird als Chance und Bereicherung für alle am Kindergartengeschehen Beteiligten erlebt.

Sprachliche Bildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Kindergarten und Familie. Ein regelmäßiger, wertschätzender und respektvoller Austausch fördert eine positive Beziehung und ist somit wesentlich für die ganzheitliche Entwicklung der Mädchen und Jungen und im Besonderen auch für das Lernen von Sprachen.

In der Handreichung zum Bildungsfeld Sprache, Schriftsprachkultur, Zwei- und Mehrsprachigkeit finden sich zahlreiche Anregungen für den Kindergarten.

Einblick in die Begleitung der sprachlichen Bildung im Kindergarten erhalten Sie hier.

Mathematik

Von Geburt an sind Mädchen und Jungen fasziniert von mathematischen Zusammenhängen, sind forschend unterwegs und erkunden neugierig und begeistert Muster, Formen und Zahlen. Im Mittelpunkt der mathematischen Bildungsprozesse steht das Kind mit seinen eigenen Fragen und individuellen Theorien. Damit Kinder mathematische Kompetenzen zeigen und ausbauen können, brauchen sie eine professionelle Begleitung durch Erwachsene.

Konkrete Anregungen und gelungene Praxisbeispiele werden in der Handreichung Mathematik aufgezeigt.

Zudem finden verschiedenste Fortbildungen statt, bei denen sich Menschen aus der Bildungswelt über das spannende Thema austauschen und neue Denkanstöße für die Praxis der frühen mathematischen Bildung in Kindergarten und Grundschule auf wissenschaftlicher Basis erhalten.
Eine Veranstaltung dazu ist die Tagung Brima Primar (externer Link) in Brixen.

Naturwissenschaften

Naturwissenschaftliche Bildung im Kindergarten

Kinder sind nicht voreingenommen, sie gehen mit offenen Augen durch die Welt und sind neugierig. Kinder wollen die Phänomene rund um sich herum verstehen und hinterfragen die verschiedensten Vorgänge bis ins letzte Detail.

Das selbstständige Forschen und Experimentieren, das Formulieren eigener Hypothesen und das Erkennen von Wirkungszusammenhängen sind wesentliche Ziele bei der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung im Kindergarten.

Die Forschungsbereiche laden ein, naturwissenschaftlichen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten auf den Grund zu gehen. Lernmomente im Alltag, im Garten und in der freien Natur sind ebenso wertvoll und lehrreich.

Angebote für Pädagogische Fachkräfte

Beim Einrichten der Forschungsbereiche erhalten Kindergartenteams Unterstützung.

Fortbildungen sind ebenso ein wesentlicher Bestandteil für die Weiterentwicklung und Stärkung der Fachkompetenz im naturwissenschaftlichen Bereich.

In der Pädagogischen Fachbibliothek kann die Fachkiste Naturwissenschaften: Kraft – Bewegung – Energie ausgeliehen werden. Die Idee der Fachkisten ist der innovative Ansatz, die naturwissenschaftliche Bildung mit der sprachlichen Bildung zu verknüpfen und Familien zu erreichen.

Ebenfalls in der Fachbibliothek gibt es den Astronomiekoffer „Reise ins Weltall“ für Kinder ab 4.

Flotte Flitzer im Kindergarten

Mädchen und Jungen widmen sich in ihren ersten Lebensjahren mit großem Interesse einfachen naturwissenschaftlichen Phänomenen und beginnen auch bald mit der Untersuchung von Gesetzmäßigkeiten, die technische Geräte in ihrem Umfeld hervorbringen. So ist mit einem Knopfdruck vieles möglich: Musik wird hörbar, Lichteffekte werden erzeugt oder etwas wird in Bewegung gesetzt. Neben der Faszination dieser physikalischen und technischen Vorgänge ist es wichtig, hinter die Dinge zu gucken und die Welt der Technik zu durchschauen. Kinder sind neugierig, sie wollen wissen, verstehen, ausprobieren, eigene Ideen umsetzen, diese weiterentwickeln und Neues erfinden.

Diese Grundgedanken sowie die Ziele der Rahmenrichtlinien zum Bildungsfeld Technik bieten Anlass, mit dem Projekt Flotte Flitzer einen Akzent zur technischen Bildung im Kindergarten zu setzen.

Zur Verfügung gestellt wird die Materialbox, die mit allerhand gewöhnlichen und ungewöhnlichen Materialien gepackt ist: Zahn-, Holz- und Lenklaufrädern, Raupenbändern, Luftschraubenblättern, Tischtennisbällen, Lämpchen, Solarzellen und Solarmotoren, Batteriesätzen und Motoren, Mausefalle und Luftballone. Weitere Materialien wie Pappschachteln, Dosen, Flaschen, Holzreste, Stöpsel, Deckel usw. werden von den Kindern, den Familien und den pädagogischen Fachkräften gesammelt.

Mobilitätsbildung

Die Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt und die STA − Südtiroler Transportstrukturen AG haben in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Abteilung sowie der Landesdirektion italienischsprachiger Kindergärten und dem Kindergartensprengel „Ladinia“ den Mobilitätskoffer Gemeinsam mobil im Kindergarten” ausgearbeitet.
Der Koffer soll Pädagogische Fachkräfte dabei unterstützen, das Thema mit den Kindern zu bearbeiten.

Er enthält neben einem Leitfaden mit Informationen für die Pädagogischen Fachkräfte SpieleBücher und Anleitungen für Aktionen. Diese sollen in erster Linie Spaß machen, sowie den Entdeckergeist und die Neugierde der Kinder wecken.

Die Aktivitäten sind in 4 Module aufgeteilt, wobei jedes Modul auch eigenständig ausgeliehen und umgesetzt werden kann. Bei der Beschreibung der Module werden die Inhalte, die Umsetzung, die behandelten Bildungsfelder aus den Rahmenrichtlinien für den Kindergarten in Südtirol und jene Nachhaltigkeitsziele genannt, die mit den Aktionen erreicht werden können.

Außerdem zielt das Projekt darauf ab, die Familien der Kinder sowie ihr Umfeld durch konkrete Aktionen einzubinden und die Inhalte nach außen zu tragen. Dadurch nehmen die Kinder aktiv am gesellschaftlichen Leben teil und erleben, wie ihr Handeln wirksam wird. Bei der Erarbeitung der Aktionen werden auch weiterführende Aspekte berücksichtigt – wie etwa die Themen InklusionNachhaltigkeitVernetzung etc.

Die Materialien stehen in deutscher und italienischer Sprache zur Verfügung.
Jeder Kindergartensprengel erhält einen Mobilitätskoffer, der den Kindergärten zur Verfügung gestellt werden kann.

Leitfaden

Materialliste und Fragebogen

Plakate

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