[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Familie und Kindergarten: Sprachentwicklung gemeinsam unterstützen

„Eltern sind die ersten und wichtigsten Bezugspersonen des Kindes. In der Familie erwerben Kinder Kompetenzen und Einstellungen, die einen grundlegenden Einfluss auf ihre Bildungs- und Lebensbiografie haben. […] Eine bewusst gestaltete und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Familie ist demnach unerlässlich.“ (aus: Rahmenrichtlinien des Landes für die deutschsprachigen Kindergärten, S. 56)

Durch den aktiven Einsatz und die steten Bemühungen der Pädagogischen Fachkräfte kann es gelingen, alle Familien über das Bildungsgeschehen zu  informieren, sich mit den Familien auszutauschen, sie zu beteiligen und dadurch für mehr Inklusion im Kindergarten zu sorgen.

Aus der Praxis: Aktive Interaktion mit Familien

Wir finden einen Weg der gemeinsamen Verständigung

Ein Erfahrungsbericht aus dem Kindergarten Bozen Weggensteinstraße

Einsatz von Gesprächshilfen

Je nach Situation und Bedarf haben sich folgende Hilfsmittel bewährt, die Pädagogische Fachkräfte und Eltern nutzen können:

Das Übersetzungsgerät für über 70 Sprachen übersetzt sowohl die eigenen Worte als auch
die Antworten des Gegenübers. Die Übersetzung kann damit gesehen und gehört werden, ist
schnell und präzise. Die eingebaute Kamera ermöglicht zudem die Übersetzung
gedruckter Texte. Die Geräte wurden von der Landeskindergartendirektion angekauft und an alle
Kindergartensprengel verteilt. Die Ausleihe verwaltet jeder Kindergartensprengel selbst.

Für die Übersetzung von Elterninformationen und als Hilfe bei Zwischen-Tür-und-Angel-Gesprächen erleichtern Übersetzungsapps die Kommunikation. Sowohl fotografierte Texte als auch Sprachaufnahmen können in die gewünschte Sprache übersetzt werden. Die Apps können die Übersetzungen nicht nur schriftlich, sondern auch akustisch wiedergeben. 

Tipp: Es ist ratsam, beim Verfassen von Mitteilungen auf eine einfache Formulierung und leicht verständliche Sprache zu achten.

Empfohlene, kostenlose Apps sind:

  • Deepl
  • Google-Übersetzer
  • Microsoft-Übersetzer


Piktogramme, wie beispielsweise die Symbole von METACOM, können die Kommunikation mit den Familien unterstützen, indem sie zusätzlich zur Sprache eingesetzt werden. Durch Visualisierungen werden auch schriftliche Elterninformationen leichter verständlich.

Sie unterstützen als Übersetzende bei Erstgesprächen, in der Einlebensphase der Kinder, bei Entwicklungsgesprächen sowie bei Elternabenden. Weiters informieren sie Familien über die Kindergartenkultur und das Bildungssystem in Südtirol und klaren Fragen dazu.

Bedarf es Interkultureller Mediatorinnen und Mediatoren, kann ein Ansuchen über den jeweiligen Kindergartensprengel an die Sprachenzentren gestellt werden.


Der Bogen Mehrsprachen-Kontexte 2.0 erfasst Inputbedingungen von mehrsprachig aufwachsenden Kindern und berücksichtigt dabei die Sozialisationskontexte, in denen sie stattfinden. Die Verwendung bei Erstgesprächen mit Familien, deren Kinder mehrsprachig aufwachsen, hat sich bewährt.

Die Pädagogischen Fachkräfte erhalten Informationen über die Erst- und Familiensprache(n) der Kinder, erfahren, welche Bezugspersonen das Kind in seinem Spracherwerb unterstützen, und thematisieren die Mediennutzung. Familien können Informationen über den Spracherwerb erhalten und dadurch in ihren Bildungsaufgaben unterstutzt werden.


Die Faltblattreihe „Mein Kind und seine Sprache(n)“:
  • informiert Familien durch konkretes, einfach aufbereitetes Fachwissen über den Spracherwerb und sensibilisiert für die sprachliche Bildung. Sie beinhaltet konkrete Tipps und Anregungen, wie Eltern ihr Kind in der sprachlichen Bildung begleiten und unterstützen können
  • kann Pädagogischen Fachkräften bei Gesprächen als Unterstützung und fachliche Unterlage nutzen
  • richtet sich an alle Familien: von der vorwiegend im Südtiroler Dialekt sprechenden
    Familie bis hin zur mehrsprachig kommunizierenden Familie
  • sind in acht Sprachen übersetzt und werden am besten im Zuge von Beratungs- oder
    Entwicklungsgesprächen nach thematischer Relevanz verwendet
Folgende Themen sind verfügbar:
  • Wie erwirbt mein Kind seine Sprache(n)?
  • Wie lernt mein Kind erfolgreich eine neue Sprache?
  • Wie entdeckt mein Kind spielerisch die Freude an Sprache und Schrift?

Formen der Zusammenarbeit

Familien unterscheiden sich nicht nur durch Sprache, Herkunft oder Familienform, sondern auch in Hinblick auf Kulturen, Werte und Rituale sowie in Bezug auf ihre Lebensrhythmen, ihre Kompetenzen und Freizeitaktivitäten. Der Kindergarten sieht diese Vielfalt in der Umsetzung des Bildungsauftrages als Chance und Bereicherung.

  • Nachfragen, welche Wünsche die Familien selbst haben.
  • Die Lebenslagen und Kompetenzen der Familien in der Planung mitberücksichtigen.
  • Darauf achten, dass keine Familie durch Anfrage nach Beteiligung in Bedrängnis gebracht wird.
  • Familien direkt ansprechen, ob und in welcher Form sie bereit sind, sich eventuell einzubringen.

Familienmitglieder können  zum Vorlesen oder Erzählen von (Bilderbuch-) Geschichten im Kindergarten eingeladen werden. Es kann für manche eine Hilfe sein, ein Bilderbuch zur Verfügung gestellt zu bekommen, andere haben vielleicht ein Lieblingsbuch, das sie mitbringen möchten. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn die eigene Mutter oder der eigene Vater im Kindergarten in ihrer/ seiner Sprache liest oder eine Geschichte erzählt. Es gibt zahlreiche mehrsprachige Bilderbücher und Geschichten, die sich dafür gut eignen. 

Nachfolgend eine Auswahl an Webseiten und Bibliotheken, die dafür genutzt werden können:

Bekannte Lieder wie „Alles Gute für dich“ oder „Bruder Jakob“ werden in unterschiedlichen Sprachen weltweit gesungen. Mithilfe der Familien kann eine Sammlung international bekannter Lieder angelegt werden. Dabei kann es besonders Freude machen, wenn jemand aus der Familie sich bereit erklärt, ein Audio des Liedes in seiner Sprache aufzunehmen. Dieses lässt sich mit einem Audiostift (Tellimero, Anybook-Reader) ganz einfach abspielen und kann, wenn die Klebepunkte am Notenblatt angebracht sind, mehrsprachig von den Kindern angehört werden.

  • Silvia Hüsler, Kinderverse in über 50 Sprachen
    Dieses Buch ist ein wahrer Schatz an Versen in unterschiedlichen Sprachen.
  • ‘s Musigkischtl für den Kindergarten Mitanånd singen und tånzn
    Es ist wertvoll, auch alle vorhandenen Sprachvarietäten und Dialekte miteinzubeziehen.
    Das Musigkischtl-Heft wurde an alle Kindergärten verteilt. Die Lieder und ihre Playback-
    Versionen stehen im Heft zum Herunterladen zur Verfügung.
  • Singen macht Spaß – Das Sudtiroler Liederbuch für die ganze Familie
    bietet eine vielfältige Auswahl an zeitlosen Klassikern und neuen Liedern in verschiedenen Sprachen. Alle Lieder stehen als Video zur Verfügung (direkt abrufbar über QR-Codes im Buch) und laden zum gemeinsamen Singen, Erzählen und Sprechen ein. Jeder Kindergarten hat ein Exemplar erhalten.
  • Andre Comploi, Jun a ciantè! Lasset uns singen! Vieni a cantare! How about singing!
    Dieses Buch enthält eine Sammlung von 25 klassischen Kinderliedern in 4 Sprachen. Es beinhaltet unter anderem Tonaufnahmen und QR-Codes, die den bequemen Abruf der Lieder sowie den Zugang zu einer App ermöglichen. Dieses Buch kann in der Fachbibliothek an der Pädagogischen Abteilung ausgeliehen werden.

Eine bunte Ausstellung unterschiedlichster Gegenstände weckt Neugier und erzählt Geschichten über die Vielfalt der Familien. Und so geht‘s:

Jede Familie ist eingeladen, einen Gegenstand in die Ausstellung zu bringen, der in der Familie häufig verwendet wird, für sie bedeutsam ist oder einen symbolischen Wert darstellt. Dabei ist wichtig, dass die Pädagogischen Fachkräfte den Prozess achtsam begleiten, sodass die Familien sich nicht in ein Klischee gedrängt fühlen und keine Reproduktion von Stereotypen entsteht. Die Sprachanlässe, die sich beim Betrachten der Gegenstände ergeben, werden von der Pädagogischen Fachkraft angeregt und begleitet.

Ähnlich wie bei der Sammlung von mehrsprachigen Liedstrophen, können Wörter gesammelt werden:

  • Zahlen
  • Begrüßungen
  • Wörter auf der mehrsprachigen Anlauttabelle
    (mehrsprachige Anlauttabellen sind so konzipiert, dass die Anfangslaute der Gegenstände in unterschiedlichen
    Sprachen dieselben bleiben, z. B. „F“ für Feuer, fuoco, fire, fuego) – um einige Beispiele zu nennen.
  • Es kann auch interessant sein, zu den gesprochenen Wörtern gemeinsam unterschiedliche
    Schriftbilder zu sammeln.

Jedes Kind im letzten Kindergartenjahr erhält ein Exemplar des Bilderbuchmagazins Papperlapapp, wenn möglich in seiner Familiensprache. Mit dem Ziel, die Erstsprache(n) der Kinder und Familien wertzuschätzen und zu stärken, weckt es Freude am Lesen, am geschriebenen Wort und an der Sprache und schafft vielfältige Sprachanlässe. Familien werden für die sprachliche Bildung sensibilisiert und durch ihre aktive Rolle in ihrer Verantwortung als Bildungspartner gestärkt.

Das Bilderbuchmagazin regt dazu an, Familien zum Vorlesen in den Kindergarten einzuladen und so den Kindern die darin enthaltenen Geschichten mehrsprachig zugänglich zu machen. Es schafft Anlässe, mit Familien über Sprache und sprachliche Bildung in den Austausch zu kommen und so die Sprachenvielfalt im Kindergarten explizit wertzuschätzen.

Über das Bilderbuchmagazin kann das Netzwerk mit der Grundschule gestärkt werden, indem Sprachlehrpersonen aus der Grundschule oder Schülerinnen und Schüler zum Vorlesen in den Kindergarten kommen. Unter den folgenden Links kann das Thema vertieft werden:

Stärkung einer frühen Literacy-Erziehung in den Familien

„Der Begriff Literacy stammt aus dem anglo-amerikanischen Bereich und steht für Lese- und Schreibkompetenz, im weiteren Sinne auch für Kompetenzen wie Text- und Sinnverstehen, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern bis hin zum kompetenten Umgang mit Medien. Literacy wird bereits in der frühen Kindheit grundgelegt und seine Entwicklung ist abhängig von den Erfahrungen, welche die Kinder im Elternhaus mit der Lese-, Erzähl- und Schriftkultur machen. Literacy-Erziehung ist in nahezu allen Bildungsplänen verankert und kann vor allem durch Bilderbuchbetrachtung, Vorlesen/Nacherzählen, freies Erzählen, die selbstverständliche und gezielte Einbindung von Schriftzeichen in den pädagogischen Alltag etc. umgesetzt werden.“ (Werner Stangl: Literacy-Erziehung. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik, 2024)

Es ist nicht selbstverständlich, dass Kindern zu Hause vorgelesen wird. Umso wichtiger ist es, Familien darauf aufmerksam zu machen, welchen Wert das Vorlesen und das gemeinsame Betrachten von Büchern für die Bildung ihres Kindes hat.

  • Dafür eignet sich in der Praxis das Faltblatt 3, das im persönlichen Gespräch, aber auch bei Elternabenden zum Einsatz kommen kann: Wie entdeckt mein Kind spielerisch die Freude an Sprache und Schrift? 
  • In Zusammenarbeit mit anderen Kindergärten und Grundschulen können thematische Elternabende organisiert werden. Durch den Einsatz interkultureller Mediatorinnen und Mediatoren können auch Familien angesprochen und erreicht werden, die andernfalls aufgrund der Sprachbarriere vielleicht nicht teilnehmen würden. 
  • Bibliotheksbesuche mit Kindern, zu denen auch Eltern als Begleitpersonen oder zum Vorlesen eingeladen werden, haben sich in der Praxis sehr bewährt. Der Kindergarten kann durch diese Initiative die Brücke zu Bibliotheken der näheren Umgebung schlagen. Informationen zu Bibliotheksbesuchen, Medienausleihe, Medienpaketen, Bibliotheksführungen, bibliotheksdidaktischen Angeboten und Vorlesestunden sind online einsehbar. In der pädagogischen Arbeit bieten sich immer wieder Gelegenheiten, bei denen Familien für die Chancen einer frühen Literacy-Erziehung sensibilisiert und auf Ressourcen in ihrem Umfeld aufmerksam gemacht werden können. Ein Beispiel für eine solche Ressource stellt das Projekt Bookstart – Babys lieben Bücher dar. Die Initiative für Lesefrühförderung beschenkt jede Familie mit zwei Buchpaketen. Das erste Paket erhält die Familie über die Gemeinde und das zweite kann später in der Bibliothek abgeholt werden.

Aus der Praxis: Multilingual Vorlesetag

Leben ist Vielfalt: Zu Gast bei den Kindern dieser Welt

Ein Erfahrungsbericht aus dem Kindergarten und der öffentlichen Bibliothek Latsch 


Familien für das kindliche Spiel sensibilisieren

Der hohe Aufforderungscharakter und das ständige Omnipräsent-Sein von digitalen Medien im Alltag von Kindern und Erwachsenen macht dem kreativen, lustvollen, versunkenen Spielen zunehmend ernsthafte Konkurrenz. Familien sind herausgefordert, die Nutzung von Smartphone, Tablet, Fernseher usw. angemessen zu begrenzen, zu begleiten und für einen zeitlich begrenzten, kontrollierten und vor allem verantwortungsvollen Umgang der Kinder damit zu sorgen. 

Für die Beratung von Familien im Bereich digitale Bildung gibt das Forum Prävention unter den folgenden Links Tipps zur Mediennutzung von Kindern:

Der Kindergarten verstärkt das Bewusstsein der Familien für den Wert des Spiels und betont dessen essenzielle Bedeutung für die kindliche Entwicklung und Bildung. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: 

  • Um die Familien dafür zu sensibilisieren, welche Vielzahl an Spiel- und Lernmöglichkeiten es gibt, und um sie dahin zu begleiten, den Kindern auch zu Hause Spiele zur Verfügung zu stellen sowie die Freude und Lust am kreativen, gestalterischen Tun mit allen Sinnen zu wecken, haben sich in der Praxis Spielenachmittage bewahrt. Familien werden zum Kennenlernen verschiedener Spiele in den Kindergarten eingeladen; unterschiedliche Spiele werden vorgestellt, erklärt und ausprobiert.
  • Um das Spielen zu Hause anzuregen, können Spiele aus dem Kindergarten an die Familien verliehen oder Tauschmärkte für Familien organisiert werden.
  • Oft ist es gerade nicht zweckgebundenes Material, wie selbstgemachte Knete, Zeitungen, Schuhkartons usw., das Kinder in ihrer Kreativität und Fantasie inspiriert.
  • Zum kindlichen Spiel gehört auch das Spiel im Freien: Familien können dazu ermutigt werden, die örtlichen Spielplätze aufzusuchen, um die Kinder in ihrer motorischen Entwicklung sowie beim Knüpfen sozialer Kontakte zu unterstützen.
  • Die Pädagogischen Fachkräfte weisen die Familien auf interessante Möglichkeiten im Umfeld hin, wie den Spielbus des Vereins für Kinderspielplätze und Erholung (VKE), der an unterschiedlichen Orten mit vielfältigen Spielmöglichkeiten und kreativen Werkstätten, Kinder und ihre Familien zum Spielen einlädt. 

Bleiben Sie auf dem Laufenden

NEWS - ABO

Erhalten Sie die neuesten Nachrichten in Ihrem Posteingang

Abonnieren