Rechtenthaler Gespräche zur Schulentwicklung
Die Rechtenthaler Gespräche verstehen sich als Diskussionsforum zu spezifischen Themen der Schulentwicklung. Verschiedene Akteure (Schulführung, Schulteams, Unterstützungssysteme, Steuerungsebenen u. a.) tauschen ihre Erfahrungen zu Fragen der Schulentwicklung aus und bringen dabei ihre unterschiedlichen Blickwinkel ein. Die Zusammenschau aller Ebenen des Bildungssystems und der Blick über die Ländergrenzen tragen zu einem vertieften Verständnis von Entwicklungsprozessen und Innovation im Bildungsbereich bei.
Termin│Dienstag, 1. April bis Mittwoch, 2. April 2025
Ort│Fortbildungsakademie Schloss Rechtenthal, Tramin/Südtirol
Anmeldung bis zum 20. Februar 2025
Themen und Referierende
Abstract
Früher gingen wir in die Schule, um für unsere Arbeit zu lernen. Jetzt ist das Lernen die Arbeit. Die Schule ist nur dann erfolgreich, wenn sie den Lernenden die Einstellung, die Fähigkeit und die Motivation vermittelt, ihr ganzes Leben lang zu lernen, aber auch wieder umzulernen. Die Stärkung des Dreiecks zwischen Lernstrategien, Motivation und Selbstvertrauen, d. h. das Vertrauen der Lernenden in sich selbst, in ihre Fähigkeiten und ihr Vermögen, sich weiterzuentwickeln, ist der Schlüssel zur Förderung eines nachhaltigen lebenslangen Lernens. Die Entwicklung dieser Lernstrategien hängt nicht nur von effektiven Lern- und Lehrmethoden ab, sondern auch davon, wie die Lehrkräfte die Lernumgebungen gestalten und welche Unterstützung die Lernenden von ihren Lehrpersonen erfahren. Schülerinnen und Schüler lernen am besten von Lehrerinnen und Lehrern, die sie lieben. Daraus ergibt sich, dass die Schulorganisation den Lehrpersonen Zeit und Raum bieten muss, um zu verstehen, wer ihre Schülerinnen und Schüler sind und wer sie werden wollen, und um sie in ihrem individuellen Lernen zu begleiten.
Zur Person
Andreas Schleicher ist Direktor für Bildung und Kompetenzen bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und leitet das PISA-Programm. Er arbeitet seit über 20 Jahren mit Bildungsministern weltweit zusammen, um die Qualität und Gerechtigkeit im Bildungswesen zu verbessern. Vor seiner Tätigkeit bei der OECD war er Direktor für Analyse bei der Internationalen Energieagentur (IEA). Nach dem Physikstudium in Deutschland hat er einen Abschluss in Mathematik und Statistik in Australien erworben. Andreas Schleicher wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Theodor-Heuss-Preis. Er ist Ehrenprofessor an der Universität Heidelberg.
Abstract
Die Herausforderungen unserer Zeit – gesellschaftliche Diversität, Digitalisierung, Klimawandel und soziale Ungleichheit – verlangen nach einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Bildungssystems. Führungspersönlichkeiten auf allen Ebenen, darunter Politikerinnen und Politiker, Verwaltungsfachleute, Hochschulen und insbesondere Schulleitungen, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind aufgefordert, über eine längere Zeit nachhaltige Veränderungsprozesse sinnstiftend zu etablieren, hartnäckig dranzubleiben und das Growth Mindset der beteiligten Personen zu stärken.
Der Beitrag beleuchtet mit Hilfe des Schulentwicklungsrads das Projekt „Learning Support Teams – inklusiven Unterricht gemeinsam vorbereiten und durchführen“. Aufgezeigt wird, wie verschiedene Akteursgruppen des Mehrebenensystems – Schulen, Behörden und Hochschulen – wirkungsvolle Unterstützungsmaßnahmen für Schulen entwickeln können. Ziel ist es, sinnstiftendes Lernen bei Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern im Kontext von Kontinuität und Veränderungen zu etablieren.
Die Maßnahmen
- setzen direkt an der Praxis an, indem Unterricht gemeinschaftlich geplant, umgesetzt und reflektiert wird
- stärken Lehrpersonen, Schulteams und Schulleitungen darin, ihre Ressourcen gezielt zu bündeln, um Herausforderungen souverän zu meistern, ohne dabei überlastet zu werden
- werden durch eine umfassende wissenschaftliche Begleitforschung gestützt
Erfolgsfaktoren sind dabei eine transparente Kommunikation, ein wertschätzender und konstruktiver Umgang miteinander sowie die Beharrlichkeit, an der Vision festzuhalten und immer wieder zu reflektieren.
Zur Person
Frank Brückel arbeitet an der Pädagogischen Hochschule Zürich im Arbeitsschwerpunkt Schulentwicklung. Dabei unterstützt er Gemeinden und Schulen bei den unterschiedlichsten Veränderungsprozessen. Sein besonderes Interesse liegt dabei im Wissenstransfer von Forschungswissen in die tägliche Schulentwicklungsarbeit. Seine beruflichen Wurzeln liegen sowohl in der Schulpraxis als auch in der Wissenschaft. Er hat an verschiedenen Schulen in der Schweiz als Klassenlehrer und Schulleitungsmitglied gearbeitet, war Mitarbeiter an der Universität Freiburg und als Gastforscher an der University of British Columbia, Vancouver, tätig.
Heike Beuschlein leitet das Zentrum Schule und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Ihr Schwerpunkt liegt in der Weiterbildung und Begleitung von Schulleitungen und Schulteams bei Entwicklungsprozessen. Darüber hinaus ist sie in verschiedenen Projekten aktiv und unterstützt als Beraterin sowie Organisationsentwicklerin Führungspersonen und Schulen. Ihre beruflichen Wurzeln liegen in der Lehrtätigkeit an Grund- und Hauptschulen in Bayern und Baden-Württemberg. Sie promovierte an der Pädagogischen Hochschule Freiburg über die „Implementierung des Internets in die amerikanische Montessori-Pädagogik“ und leitete eine Schule in Oberbayern.
Abstract
In Zeiten vielfach verflochtener Krisen stellen sich Fragen nach der Gestaltung angemessener Lern- und Bildungsangebote in der Schule mit erneuerter Dringlichkeit. Denn gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen machen es einerseits notwendig, aufgrund multipler Unsicherheiten – u. a. bezogen auf Wissensgrundlagen, adäquate Lösungswege oder auch (die eigene) Handlungswirksamkeit – Haltungen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und handlungsfähig zu bleiben sowie andererseits Lernende auf diesem Weg zu begleiten.
Transformatives Lernen wird im Vortrag als möglicher Umgang mit diesem vielschichtigen Anspruch an Lehrkräfte und zukunftsfähigen Unterricht verstanden, indem es von einem emanzipatorischen und politisch bildenden Anspruch getragen wird. Solch ein Lernen zeichnet sich dadurch aus, dass es etablierte Routinen des Fühlens, Denkens und Handelns in Bewegung versetzt, es also zugleich unsere Welt und potentiell auch die Welt verändern kann.
Es geht um die Frage, inwieweit ein transformatives Verständnis von Lernen zur qualitätsvollen Entwicklung von Schule und Unterricht beitragen kann. Zur Klärung wird ein anschlussfähiges Begriffsgerüst entfaltet und didaktische Modelle und Prinzipien zur Gestaltung von transformativen Lern- und Bildungsangeboten formuliert.
Anhand konkreter Beispiele aus Projekten im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit österreichischen Schulen werden der Mehrwert und die Herausforderungen eines transformativen Verständnisses von Lernen für die Weiterentwicklung von Schul- und Unterrichtskultur reflektiert und zur Diskussion gestellt.
Zur Person
Fabian Pettig ist Professor am Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz, wo er die Forschungsgruppe „Geographische und Wirtschaftliche Bildung“ und das regionale Fachdidaktikzentrum für Geographie und wirtschaftliche Bildung leitet. Aktuelle Schwerpunkte seiner praxisbezogenen Forschung sind transformatives Lernen und BNE, partizipative Forschungs- und Vermittlungsformate sowie reflexive Lehrkräftebildung.
Anreise & Übernachtung
Sie können direkt in der Fortbildungsakademie Schloss Rechtenthal ein Zimmer buchen. Die Verfügbarkeit ist jedoch begrenzt. Alternativ dazu befinden sich in der Umgebung des Tagungsortes eine Reihe von Übernachtungsmöglichkeiten: