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Was ist Mehrsprachigkeit?

Alle Sprachen und Ausdrucksformen, die ein Kind mitbringt, sind ein wichtiger Teil seiner persönlichen und kulturellen Identität. Foto: Silvia Degasperi, Kindergarten Bozen, Weggensteinstraße
Alle Sprachen und Ausdrucksformen, die ein Kind mitbringt, sind ein wichtiger Teil seiner persönlichen und kulturellen Identität. Foto: Silvia Degasperi, Kindergarten Bozen, Weggensteinstraße

„Mehrsprachig sind Personen, welche im Alltag regelmäßig mit mehr als einer Sprache konfrontiert werden und erfolgreich mit Sprecherinnen und Sprechern der verschiedenen Sprachen befriedigend kommunizieren können.“ (aus: Christiane Hofbauer, Sprachen und Kulturen im Kita-Alltag, Freiburg im Breisgau 2018, S. 12).

Unter die Bezeichnung „Mehrsprachigkeit“ fallen:

  • Dialekte
  • die zweite und dritte Sprache einer mehrsprachigen Familie
  • eine Fremdsprache
  • ein Soziolekt in einer bestimmten Lebensphase (z. B. Jugendsprache)
  • eine Fachsprache in einem bestimmten Beruf

Lernmotivation und Lerntempo

Neben den eigenen kognitiven Fähigkeiten und individuellen Interessen spielen die Lerngelegenheiten und die Relevanz der Sprache des Umfeldes für das Sprachenlernen eine große Rolle. Kinder (und Erwachsene) erlernen Sprachen in vertrauensvollen Beziehungen, nach Bedarf und nach Notwendigkeit zur Teilhabe. Dies hat einen bedeutenden Einfluss auf die Lernmotivation und das Lerntempo. Sprache und Mehrsprachigkeit sind immer dynamisch zu betrachten, denn es handelt sich dabei um flexible und sich verändernde Konstrukte. Die Form der eigenen Mehrsprachigkeit kann sich demnach im Laufe des Lebens immer wieder verändern.

Wertschätzung wird vorausgesetzt

Im Kindergarten haben die Pädagogischen Fachkräfte als Vertrauenspersonen die Chance, den Mut und die Neugier des Kindes für andere Sprachen zu wecken. Dafür ist es notwendig, dass sie Sprachen und Kulturen mit offener Haltung begegnen, und sich bewusst sind, dass die Wertschätzung der Mehrsprachigkeit und die Stärkung der Identität nicht im Widerspruch zur Förderung der Bildungssprache stehen, sondern eine Voraussetzung für Lernen bilden.

Damit Kinder sich neuen Sprachen annähern können und in ihrer Erstsprache gefestigt werden, ist es wichtig, dass sie sich willkommen, respektiert und zur Kindergruppe zugehörig fühlen. Alle Sprachen und Ausdrucksformen, die ein Kind mitbringt, sind ein wichtiger Teil der persönlichen und kulturellen Identität des Kindes (aus: Rahmenrichtlinien des Landes für die deutschsprachigen Kindergärten, Deutsches Schulamt, Hrsg., Bozen 2008, S. 21).

„Ebenso erhalten Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, im Kindergarten zusätzlich gezielte sprachliche Angebote, wobei zur Sprachförderung auch die Wertschätzung der Familiensprachen und eine aktive Zusammenarbeit mit den Eltern gehören.“ (aus: Rahmenrichtlinien des Landes für die deutschsprachigen Kindergärten, Deutsches Schulamt, Hrsg., Bozen 2008, S. 32−33)

Auftrag des Kindergartens

„Kinder sind von Natur aus neugierig und motivierte Sprachenlerner. Sie sind innovativ, zeigen häufig kreative Wortneuschöpfungen und entwickeln ihre Sprachfähigkeiten fortlaufend weiter. Dies vor allem dann, wenn sie entdecken, dass die mit dem Medium Sprache als Ausdrucksmittel ihrer Wünsche und Intentionen auf das Verhalten anderer Menschen und der Umwelt Einfluss nehmen und wirken können.“ (aus: Wiebke Scharff-Rethfeldt, Sprachförderung für ein- und mehrsprachige Kinder. Ein entwicklungsorientiertes Konzept, München/Basel 2016, S. 10)

Der Auftrag des Kindergartens ist es, Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung ganzheitlich zu begleiten und zu fördern.

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