Sprachliche Bildung
Der Spracherwerb ist ein eigenaktiver, kreativer Prozess. Wir können als Erwachsene den Lernenden diesen Prozess nicht abnehmen, Spracherwerb kann nicht gelehrt werden. Wir können lediglich Bedingungen und Anregungen schaffen, die eigenaktives Lernen fördern. Denn: „Das Kind lernt von selbst – aber nicht von allein.“ (Heiko Balhorn in Sprachenkonzept, S.9)
„Der Erwerb sprachlicher Kompetenz ist einer der wichtigsten Aspekte der menschlichen Entwicklung und grundlegende Voraussetzung für Kommunikation und damit für den Zugang zur Welt. Die Entwicklung von Sprache und Sprechen stellt einen komplexen, interaktiven und co-konstruktiven Prozess dar, der bereits vor der Geburt beginnt und lebenslang andauert. Der Spracherwerb vollzieht sich vor allem in der Interaktion mit anderen Menschen… Dabei werden sprachliche Kompetenzen am erfolgreichsten im Zusammenhang mit Handlungen erworben, die für das Kind selbst Sinn ergeben und sein Interesse aufgreifen. Die Bezugspersonen sind sprachliche Vorbilder für das Kind. Den Pädagogischen Fachkräften kommt dabei eine besondere Aufgabe zu… Ebenso erhalten Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, im Kindergarten zusätzlich gezielte sprachliche Angebote, wobei zur Sprachförderung auch die Wertschätzung der Familiensprachen und eine aktive Zusammenarbeit mit den Eltern gehören“ (vgl. Bildungsfeld Sprache, Schriftsprachkultur, Zwei- und Mehrsprachigkeit in den Rahmenrichtlinien für den Kindergarten, S32ff).
Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Realität
Die Mehrsprachigkeit ist eine gesellschaftliche Realität. Auch die Sprachsituation in Südtirol ist durch sprachliche Vielfalt/ innere und äußere Mehrsprachigkeit gekennzeichnet. Immer mehr Kinder wachsen mit mehreren Erstsprachen auf oder kommen im Laufe ihrer ersten Lebensjahre mit weiteren Sprachen in Kontakt. Durch eine größere Mobilität in der Gesellschaft, besuchen Kinder mit verschiedenen Erstsprachen die Bildungseinrichtungen und bereichern ihrerseits die Sprachenvielfalt.
Die mehrsprachige Realität zeigt sich auch im Kindergarten und muss von den Pädagogischen Fachkräften in der Begleitung der sprachlichen Bildung berücksichtigt werden. Fachkräfte erweitern in Fortbildungen ihr fachliches Wissen zum Sprache(n)erwerb, sie sind im Austausch mit verschiedenen Diensten und Netzwerkpartnern. Gezielte Beobachtung der sprachlichen Entwicklung helfen, die individuellen Sprachkompetenzen zu erkennen und nächste Schritte in der sprachlichen Begleitung zu planen. Im pädagogischen Alltag finden sich gezielte Angebote zur sprachlichen Bildung sowie alltagsintegrierte sprachliche Bildung. Letztere nimmt eine zentrale Rolle ein, da sie den Erwerb alltäglicher Kommunikationsmomente bewusst sprachlich begleitet.
Alltagsintegrierte sprachliche Bildung
Alltagsintegrierte sprachliche Bildung setzt besonders im frühkindlichen Stadium eine vertrauensvolle Beziehung der Pädagogischen Fachkraft zum Kind voraus. Das Kind wird im Erwerb aktiv gesprochener Sprache bewusst unterstützt, die nonverbale Kommunikation spielt eine wesentliche Rolle. Eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung fußt auf einer sprachanregenden Lernumgebung und nützt die zahlreichen Möglichkeiten für kommunikative Situationen im Alltag, die Kinder zum Sprechen und Kommunizieren einladen. Das vorhandene, an den Themen und Interessen des Kindes orientierte Kommunikationsbedürfnis wird von den Pädagogischen Fachkräften im Alltag gezielt begleitet. Je nach individuellem Entwicklungsstand begleiten die Fachkräfte die Kinder im Aufbau und der Weiterentwicklung ihrer Sprache(n), machen sie mit der Bildungssprache vertraut und sensibilisieren für weitere Sprachen in der Gruppe. Die Familie mit den ersten und wichtigsten Bezugspersonen für das Kind ist für seinen Spracherwerb höchst bedeutsam: der Kindergarten sensibilisiert die Eltern dafür das Kind im Sprachenerwerb bewusst und aufmerksam zu unterstützen.
Publikationen zur sprachlichen Bildung im Kindergarten
Handreichung zum Bildungsfeld Sprache, Schriftsprachkultur, Zwei- und Mehrsprachigkeit